Mit einem festlichen Gottesdienst hat die Neuapostolische Kirchengemeinde Ottobrunn am Sonntag, 13. September 2026, ihr 75-jähriges Bestehen gefeiert. Im Mittelpunkt standen der Dank für rund 10.000 gemeinsame Gottesdienste sowie ein anschließendes Gemeindefest.
Seit 75 Jahren ist die Neuapostolische Kirche in Ottobrunn ein Treffpunkt für gelebte Glaubensgemeinschaft. Den runden Geburtstag feierte die Gemeinde mit einem Festgottesdienst, den Bezirksevangelist Rouven Angermann leitete. Der Andrang war groß: So viele Weggefährten und Gäste kamen zusammen, dass hinter einer variablen Trennwand spontan zusätzliche Sitzreihen geöffnet werden mussten.
Als geistliche Grundlage diente ein Wort aus dem 2. Korintherbrief: „Wir aber sind der Tempel des lebendigen Gottes; wie denn Gott spricht: Ich will unter ihnen wohnen und wandeln und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein“ (2. Korinther 6,16). Die Botschaft zog sich wie ein roter Faden durch den Tag: Gott wohnt mitten unter den Menschen und begleitet sie in die Zukunft.
Schon die Eröffnung durch den Chor setzte mit dem Lied „Herr, ich kann dir gar nichts bringen“ den Ton des Tages: Demut und die Einladung, ohne Verstellung so zu kommen, wie man ist. Bezirksevangelist Angermann griff diesen Gedanken auf. Die Gemeinde sei keine geschlossene Gesellschaft, sondern ein Ort der Begegnung mit einem liebenden Vater. Nicht ein strafendes Gottesbild stehe im Mittelpunkt, sondern eines der Liebe – eine Vorstellung, die manche alte, starre Sichtweise ablöse.
Der Rückblick machte die Dimension des Jubiläums greifbar: Rund 10.000 Gottesdienste fanden in den vergangenen 75 Jahren in Ottobrunn statt – 10.000 Momente des Zuspruchs, der Freude, aber auch des Trostes in Zeiten der Trauer. „Eine Seele ist mehr wert als alle Schätze dieser Welt“, betonte der Bezirksevangelist. Nicht irdische Güter stünden im Zentrum, sondern die Gegenwart Gottes, für die man in der eigenen Seele Platz machen müsse. Mit Blick auf die christliche Hoffnung der Wiederkunft Christi ermutigte er die Gemeinde: Dieses Erwarten sei kein Grund zur Sorge, sondern ein Anlass zu großer Vorfreude.
Gemeindevorsteher Priester Dominik Speidel vertiefte diese Zuversicht. Ein solches Jubiläum lade dazu ein, nicht nur zurückzublicken, sondern voller Hoffnung nach vorn zu schauen – im Glauben an eine ewige Gemeinschaft bei Gott. Gemeinschaft mache reich, wenn man Jesus in die Mitte nehme und seine Liebe im eigenen Handeln erlebbar mache.
Priester Uwe Schnitker griff den Andrang des Festtages auf: Selbst dort, wo der Raum knapp werde, mache Gott Platz – genau wie an diesem Sonntag hinter der geöffneten Trennwand. Auch Heiko Felkeneyer, Vorsteher der Nachbargemeinde Giesing, richtete das Wort an die Gemeinde. Er erinnerte sich an seine eigenen Anfänge vor 21 Jahren in Ottobrunn, wo er sofort eine Heimat fand, und wünschte der Gemeinde, dass Gott ihr auch künftig Türen öffne.
Musikalisch umrahmte der Chor den Gottesdienst mit Liedern wie „Ich bin hier, Herr“, „Du bist Anfang, du bist Ende“ und „Gott ist nur ein Gebet entfernt“. Beim gemeinsamen Abendmahl wurde der Kern des Gemeindelebens spürbar: Egal ob gestärkt oder erschöpft, fröhlich oder traurig – alle stehen als eine Gemeinschaft vor Gott.
Ein starkes Zeichen der Verbundenheit vor Ort war das Grußwort von Waldemar Junior (Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen ACK / katholischer Pfarrverband), der die guten ökumenischen Beziehungen in Ottobrunn hervorhob.
Nach dem Gottesdienst ging der Tag in ein fröhliches Gemeindefest über. Vor und nach dem Gottesdienst spielte ein kleines Gemeindeorchester und gab dem Festtag einen feierlichen Rahmen. Bei Kulinarischem und guten Gesprächen kamen die Generationen zusammen; eine Informationswand sowie ein Bildervortrag erweckten Highlights aus 75 Jahren Gemeindegeschichte zu neuem Leben, während bunte Heliumballons bei den Kindern für Begeisterung sorgten. So verbanden sich an diesem Festtag Dankbarkeit für den Weg und Vorfreude auf die Zukunft.
Text: NAK Ottobrunn / Bilder: Andreas Selter