Unter dem Motto „Ein Leib – ein Geist – eine Hoffnung!“ feierten die Schongauer Gemeinden die ökumenische Gebetswoche 2026 an sieben vielfältigen Stationen als kraftvolles Zeichen gelebter Einheit in der Vielfalt. Ein farbenfrohes Gemeinschaftserlebnis, das den Glauben durch das bewusste „Zusammen“ gänzlich neu und lebendig erfahrbar macht.
Christinnen und Christen, die man so das ganze Jahr nicht sieht – hier kommen sie zusammen, fast wie bei einem Klassentreffen, ganz selbstverständlich, verlässlich und unaufgeregt. Gemeint ist die ökumenische Gebetswoche für die Einheit der Christen in Schongau und Umgebung. Was der ökumenische Arbeitskreis jedes Jahr auf den Weg bringt, wird von zahlreichen Gläubigen der verschiedensten christlichen Konfessionen dankbar angenommen und mitgemacht. Heuer stand die Gebetswoche unter dem Motto „Ein Leib – ein Geist – eine Hoffnung!“ Dieser Geist der Ökumene kam Ende Januar 2026 in sieben verschiedenen Stationen zum Ausdruck, die dennoch eine innere Einheit bildeten, nämlich unter dem Stichwort Zusammen.
Den Auftakt machte das Zusammenkommen und Zusammensein in der evangelischen Dreifaltigkeitskirche, wo wir im Altarraum zusammensaßen. Die Mitte bildete das Taufbecken, Zeichen der uns allen gemeinsamen christlichen Taufe, in das Manuela Reinhardt als starke Symbolhandlung aus einem Taufkrug das lebensspendende Wasser eingoss. Wir erinnerten uns an Christus, der sich uns als Wasser des Lebens schenkt.
Die zweite Station unserer ökumenischen Wanderung führte uns zur neuapostolischen Kirche nach Peiting. Dort ermutigte uns Fritz Schönenborn wie ein guter Apostel Jesu Christi zum Zusammenstehen und Zusammenhalten, je mehr wir als Christen in der Gesellschaft zahlenmäßig kleiner werden. Er erinnerte uns mit einem Wort seines verstorbenen Vaters an unseren Auftrag, zum Frieden in der Welt beizutragen: „Lasst euch den Frieden etwas kosten, denn der Krieg ist teuer genug.“
Zur dritten Station luden uns Maurice de Coulon und seine Frau von der religiösen Gesellschaft der Freunde (Quäker) in den Gemeindesaal der evangelischen Kirche ein. In der Mitte des Stuhlkreises brannte eine Kerze, daneben lag eine geschlossene Bibel. Das Motto lautete: Zusammen schweigen und zusammen hören, damit in der Tiefe der Seele Gottes Stimme vernehmbar werde. Eine wunderbare Erfahrung!
Am vierten Tag öffnete die Freie evangelische Gemeinde in der Franz-Rupp-Straße ihre Pforten. Pastor Benjamin Spring stand im freien Gebet, mit geschlossenen Augen und offenen Händen: „Danke, Jesus! Danke, dass wir hier zusammen sind. Danke für unser Leben.“ Er ermutigte uns zum Zusammenwachsen, indem wir alle immer mehr in Christus hineinwachsen.
Die fünfte Station wurde durch Familie Coban von der orthodoxen Kirche in Verklärung Christi gestaltet. Dort erlebten wir den ganzen Reichtum der orthodoxen Liturgie mit ihren Ikonen, Gesängen, Gebeten, den Schein der Kerzen und den Duft des Weihrauchs. Zusammen die Herrlichkeit des Herrn lobpreisen – das war das ökumenische Erlebnis dieses Abends.
Auch die sechste Station des Ökumene-Weges war in der Stadtpfarrkirche Verklärung Christi in Schongau, dieses Mal mit der römisch-katholischen Gemeinde. Stadtpfarrer Dr. Ulrich Manz zeigte auf die monumentale Figur des verklärten Christus hoch über dem Volksaltar mit seinen weit erhobenen Armen, als wollte er in den Himmel ausgreifen. Die Gebetshaltung der zum Himmel erhobenen Hände möge uns als Christen Mut machen. Zusammen hoffen! Zusammen aufwärts streben! Das möge die ökumenische Motivation sein.
Die siebte und letzte Station hat schließlich alle ökumenischen Wanderer durch die verschiedenen Welten nochmals in die neuapostolische Kirche nach Peiting geführt. Zusammen Gottesdienst feiern – das war das erklärte Herzensanliegen aller Freunde der Ökumene, und der Gottesdienstraum war dafür wie geschaffen. Insbesondere die elegant emporragende, freistehende Pfeifenorgel und der Gesang von Chor und Gemeinde vermochten die Herzen der Gläubigen so recht zu Gott zu erheben. Die sieben Liturgen – Bezirksevangelist Rouven Angermann, Priester Alexander Schnackenberg, Stadtpfarrer Dr. Ulrich Manz, Pastor Benjamin Spring, Pfarrerin Brigitte Weggel, Manuela Reinhardt und Maurice de Coulon – waren dabei als Vertreter der Gemeinden wie eine Reminiszenz an die sieben Stationen des ökumenischen Weges, den die Freunde der Ökumene in Schongau zusammen zurückgelegt haben.
In großer Freude über so viel gemeinsam erlebten und gelebten christlichen Glauben fällt es allen leicht, die aktuelle evangelische Jahreslosung für das Jahr 2026 zu bejahen: „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“ Denn gelebte Ökumene macht alles neu und lässt Kirche und Glaube gänzlich neu, bunt und vielfältig erleben.
Text: Stadtpfarrer Dr. Ulrich Manz (Schongau) / Bild: Erwin Meier (Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt in Schongau)