Am Sonntag, den 12. Juli, diente Apostel Andreas Sargant in der Kirchengemeinde Garmisch-Partenkirchen über die Freude, die auch schwere Zeiten überdauert – und für eine ganz besondere Freude sorgte, dass ein vorübergehend zur Ruhe gesetzter Priester wieder in den aktiven Dienst gestellt wurde.
„Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch!“ (Philipper 4,4)
Mit diesem Bibelwort diente Apostel Andreas Sargant bei seinem Besuch in Garmisch-Partenkirchen. Zu Beginn lenkte er den Blick auf die Umstände, unter denen diese Worte entstanden sind. Denn wer den Vers liest, hört zunächst einen frohen, fast überschwänglichen Ton – und ahnt kaum, aus welcher Lage heraus er geschrieben wurde: Apostel Paulus saß im Gefängnis, als er seinen Brief an die Gemeinde in Philippi verfasste.
Seine Zukunft war ungewiss, seine Freiheit genommen, sein Wirkungskreis auf wenige Quadratmeter beschränkt. Und gerade von dort aus schreibt er nicht von Klage oder Bitterkeit, sondern von Freude. Nicht einmal, sondern doppelt: „…und abermals sage ich: Freuet euch!“ Diese Freude speist sich offensichtlich nicht aus günstigen Umständen. Sie hat eine andere Quelle. Sie ist Freude „in dem Herrn“ – und die bleibt auch dann bestehen, wenn ringsum die Mauern hochgehen.
Bezirksevangelist Roland Ländle und Priester Florian Herrmann, stellvertretender Vorsteher der Gemeinde Gilching, führten diesen Gedanken in ihren Predigtbeiträgen weiter und stellten ihn unter ein einprägsames Wort: „Schau genau hin.“ Denn Freude ist kein Selbstläufer. Manchmal will sie sich nicht recht entfalten, weil schwere Situationen sich davorschieben: Sorgen, Krankheit, Enttäuschungen, das Gefühl, dass es einfach zu viel ist.
Die Freude ist dann nicht verschwunden – sie ist verdeckt. Wer aber genauer hinschaut, entdeckt sie doch: im Gebet, das getragen wird; in einem Menschen, der zur rechten Zeit da ist; in einer Zusage Gottes, die schon so oft gehalten hat. Es lohnt sich, den zweiten Blick zu wagen.
Zu diesem Gottesdienst war auch die Gemeinde Murnau nach Garmisch-Partenkirchen eingeladen – und von dort kam an diesem Sonntag ein ganz konkreter Grund zur Freude. Priester Helmut Maier war vor rund zwei Jahren aus gesundheitlichen Gründen zur Ruhe gesetzt worden. Ein Einschnitt, der schwerfällt, wenn man den Dienst am Altar von Herzen gern getan hat. Doch in dieser Zeit durfte er sich so weit erholen, dass an eine Rückkehr an den Altar zu denken war. Im Gottesdienst stellte Apostel Sargant ihn wieder in den aktiven Dienst – ein Moment, der spürbar durch die Gemeinde ging.
Auch für den Apostel selbst war diese Handlung neu und ungewohnt; man setzt einen Priester weit häufiger zur Ruhe, als man ihn zurückholt. Umso mehr bereitete sie ihm sichtlich Freude. Hier wurde greifbar, wovon zuvor gepredigt worden war: dass eine Zeit der Schwere nicht das letzte Wort behalten muss – und dass genaues Hinschauen manchmal mit einer Wiedersehensfreude belohnt wird, mit der niemand mehr gerechnet hatte.
Auch musikalisch stand der Gottesdienst ganz unter diesem Thema. Die Sänger trugen unter anderem „Jesus, erfülle mein Herze mit Freude“ vor – ein Lied, das genau dorthin zielt, wo Freude ihren Anfang nimmt: nicht an der Oberfläche, sondern im Innersten, im Herzen. Und von dort aus beginnt sie zu wirken. Sie kommt nicht als Stimmung, sondern als Kraft. Sie bringt Bewegung in die Seele – und, wie schon der Dichter wusste, treibt sie die Räder. So durfte die Gemeinde einen Gottesdienst erleben, der das Predigtwort nicht nur hörte, sondern erlebte. Man ging reicher nach Hause, als man gekommen war. Und freudiger, ja, freudiger.
Text / Bilder: NAK Garmisch-Partenkirchen