Am 6. Mai 2026 besuchte Bezirksapostelhelfer Martin Rheinberger die Gemeinde Gräfelfing. Nach schweren Wochen voller Sorgen schenkte der Gottesdienst den 75 Teilnehmern tiefen Trost, neue Zuversicht und – gekrönt durch eine Priesterordination – spürbare Freude.
Der ewige Thron Gottes
Bereits im Amtszimmer fand der Bezirksapostelhelfer demütige und nahbare Worte für seinen Dienst: Er bezeichnete sich selbst als „Übergangs-Bezirksapostel“, da seine Amtszeit im Vergleich zu seinen Vorgängern voraussichtlich kürzer sein werde. Doch dieses Bewusstsein, so führte er aus, gelte letztlich für jeden Apostel: „Vor dir war einer und nach dir kommt wieder einer, der es gut machen wird. Das ist menschlich.“
Ganz anders verhalte es sich dagegen mit unserem Gott, wie es in Offenbarung 4 beschrieben wird: Er ist der, der auf dem Thron sitzt. Während irdische Herrscher wissen, dass ihr Thron davor und danach anderen gehört, gibt es bei Gott keinen Wechsel. Vor ihm war keiner, und nach ihm wird keiner sein. Ihm gebührt unsere tiefe Anbetung.
„Denkst du wirklich, ich lasse dich untergehen?“
Die musikalischen Beiträge der Sänger, einfühlsam begleitet von Klavier und Kontrabass, spiegelten die Seelenlage der Gemeinde wider. Auf das Lied „Sei stille, mein Herz, in Gott bist du geborgen“ ging der Bezirksapostelhelfer in der Predigt tief ein. Still zu sein, sei oft unendlich schwer – besonders dann, wenn uns das Wasser bis zum Hals steht.
Am Beispiel des sinkenden Petrus auf dem Meer zeigte er auf, dass Schreien in der Not zutiefst menschlich ist. Obwohl Jesus Petrus nach dessen Rettung einen „Kleingläubigen“ nannte, betonte Bezirksapostelhelfer Rheinberger voller Mitgefühl: „Mein Glaube hätte viel früher aufgehört. Ich wäre niemals aus dem Boot gestiegen.“ In einer anderen Übersetzung fragt Jesus: „Hast du wirklich gedacht, dass ich dich ertrinken lasse?“ Diese Kernbotschaft ging den Geschwistern direkt ins Herz. Wenn wir das Gefühl haben, Gott sieht uns nicht, ruft er uns heute zu: „Denkst du wirklich, ich lasse dich im Stich?“
Wahre Größe liegt im Dienen
Als Grundlage für den Gottesdienst diente das Textwort aus Lukas 22,28–29. Passend dazu beleuchtete der Bezirksapostelhelfer den Streit der Jünger darüber, wer von ihnen der Wichtigste sei. Ein Gedanke, der auch uns heute manchmal einholt: Wer ist wichtiger? Der Vorsteher oder der Diakon? Die Predigt oder die Musik? Die göttliche Antwort darauf ist klar: Der Wichtigste ist der, der allen anderen dient. Offen und berührend gab er der Gemeinde einen Einblick in sein eigenes Glaubensleben: „Ich bete oft: Hilf meinem Misstrauen.“
Als Übergang zum Heiligen Abendmahl griffen die Sänger das Lied „Auf dem Weg zu Gott ist Platz genug für alle“ auf. Der Bezirksapostelhelfer stellte dazu eine tiefgründige Frage: Gilt das tatsächlich für jeden? Er erinnerte an die biblische Begebenheit, als Jesus am Tisch eines Pharisäers saß und eine stadtbekannte Sünderin ihm die Füße mit ihren Tränen benetzte, sie mit ihrem Haar trocknete und salbte.
Jesus spürte das große Fragezeichen des Gastgebers, der nicht verstehen konnte, warum der Herr diese Berührung zuließ. Mit dem Gleichnis von den zwei Schuldnern gab Jesus die Antwort: Wer spürt, dass ihm eine große Schuld vergeben wurde, trägt auch die größte Dankbarkeit und Liebe in sich. So wurde das Abendmahl zu einem Moment der tiefen Gewissheit: Bei Gott ist wirklich für jeden Platz.
Ein unschätzbares Geschenk für die Gemeinde
Wie sehr die Gemeinde diese Stärkung brauchte, zeigte ein Blick auf die vergangenen Wochen, in denen Gräfelfing von schweren Schicksalsschlägen getroffen wurde. Umso größer war die Freude und Dankbarkeit über die Ordination eines Diakons zum Priester. Für die von Sorgen geprüfte Gemeinde ist dieses neue Amt ein spürbares Geschenk Gottes. Bezirksapostelhelfer Rheinberger gab dem neu ordinierten Priester ein befreiendes Wort mit auf den Weg: „Sie müssen die Kirche nicht am Laufen halten. Das kann keiner von uns. Wir dienen dem Herrn, das ist ein himmelweiter Unterschied.“
Mit diesem wunderbaren Gefühl des Getragenseins, tiefem Trost und neuer Kraft gingen alle Gottesdienstteilnehmer gestärkt in den Alltag. Gräfelfing hat an diesem Abend erlebt: Gott lässt uns nicht untergehen.
Text / Bilder: NAK Gräfelfing